VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 2. 08, jul - Es geht um Algebra, aber mit der drögen Dreiecksgeometrie alter Schule hat die Anfang der Woche in Berlin eröffnete Wanderausstellung "Imaginary" so gar nichts gemein. Über die Ästhetik der computerprogrammierten Bilder sollen vor allem Kinder und Jugendliche für die Schönheit der Mathematik begeistert werden. Auch Anwendungsmathematiker aus den Ingenieurdisziplinen können hier ihren Spaß haben und einiges dazulernen.
Das "Dingdong" ist grün und sieht für die sechsjährige Lotti wie ein freundliches Gespenst aus. Der 15-jährige Paul kann darüber nur schmunzeln. Längst hat er am unteren Rand des Bildes eine geometrische Formel entdeckt: x2 + y2 + z3 -z2 = 0. Das interessiert den Neuntklässler und so versucht er sich auch am herzförmigen "Suess". Das Lieblingsmotiv seiner kleinen Schwester Lotti ist mit der Formel (x2 + 9/4 y2 + z2 - 1)3 - x2z3 - 9/80 y2z3 = 0 allerdings mathematisch schon etwas anspruchsvoller. Vielleicht gehört es gerade deshalb zu den Favoriten ganz vieler Besucher von "Imaginary".
Genau so war es von Gert-Martin Greuel auch gedacht. Der Mathematik-Professor für Algebraische Geometrie an der Uni Kaiserslautern ist der Initiator der interaktiven Ausstellung "Imaginary - mit den Augen der Mathematik", die Anfang der Woche in der Berliner "Urania" eröffnet wurde. Im Foyer des Veranstaltungshauses in der West-Berliner City werden noch bis zum 6. März mehrere Dutzend Imaginary-Bilder gezeigt und schriftlich erläutert.
Zum aktiven Mitmachen aufgebaut sind interaktive Installationen, an denen mit Hilfe des Programms "Surfer" algebraische Flächen in Echtzeit berechnet, angezeigt und verändert werden. Außerdem werden die Besucher von mehreren Ausstellungsassistenten permanent dazu eingeladen, auf einem großen Touch-Screen mit dem Finger die polynomialen Gleichungen einzugeben oder abzuändern, Parameter zu verschieben, die Farben der Flächen zu bestimmen und die Figuren nach Belieben zu drehen.
So eine Mitmach-Aufforderung lässt sich kaum ein Besucher entgehen. Der 15-jährige Paul schon gar nicht. Der Gymnasiast hatte als einer der ersten jugendlichen Besucher seinen Spaß daran, ein vom Wiener Mathematik-Professor Herwig Hauser und seinem Team auf der Formelbasis x² = (y² + z²)² entwickeltes Bild mit dem Titel "Diabolo" leicht zu modifizieren. So tauschte er beispielsweise lediglich z² durch x² aus - schon war ein opernglasähnliches Motiv auf dem Board abgebildet.
Mit dem vierfarbigen Ausdruck seines mathematischen Kunstwerks hat der Gymnasiast Paul inzwischen mehrere Schulfreunde für den Ausstellungsbesuch geworben. Ausstellungsinitiator Gert-Martin Greuel hat deshalb auch keine Zweifel, dass "Imaginary 2008" bis Jahresende in bundesweit mehr als zehn Städten erlebt werden kann.
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