VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 10. 08, cha - Im Opel-Werk Bochum stehen seit Herbstferienbeginn in Nordrhein-Westfalen die Bänder still. Das war seit langem abgesprochen zwischen Arbeitnehmervertretung und Werksleitung. Doch das ist nur der Anfang, weitere Schritte sollen folgen. Die Arbeitnehmervertreter sind wütend. Der wegbrechende Autoabsatz zwingt auch andere Hersteller in Deutschland, ihre Produktion zu drosseln. Fast alle Autobauer halten die Bänder vorübergehend an, um nicht auf Halde zu produzieren. Die Branche steckt wegen den Absatz- und Finanzkrisen in Schwierigkeiten.
Die Fertigung der Rüsselsheimer GM-Tochter Opel im Werk Bochum steht seit Beginn der NRW-Herbstferien still und soll bis kommenden Montag andauern. Im Werk Eisenach beginnt ab Montag eine dreiwöchige Auszeit. Nach Angaben des Konzernbetriebsrats will GM die Autoproduktion an europäischen Standorten bis auf Rüsselsheim Ende Oktober für zwei Wochen anhalten.
Nach Angaben von Opel müssen sich die Mitarbeiter in einigen Werken während der erzwungenen Werksferien auf "geringfügige Entgelteinbußen" einstellen. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht geplant. Die Opel-Betriebsräte fühlen sich übergangen und drohen nun mit rechtlichen Schritten.
Die derzeitige Zwangspause im Werk Bochum war mit dem Betriebsrat vor Ort abgesprochen. So erklärte Betriebsratschef Rainer Einenkel gegenüber den VDI nachrichten, dass bereits am Jahresanfang zusammen mit der Betriebsleitung beschlossen worden sei, in der ersten Woche der Ferien nicht zu produzieren. Im August habe man sich dann darauf geeinigt, dass die Produktion auch in der zweiten Woche gestrichen wird. Die Mitarbeiter würden Mehrarbeit abbauen. "Und selbst wer seinen Urlaub und sein Zeitguthaben aufgebraucht hat, braucht zunächst keine Gehaltseinbußen befürchten. Die Arbeitszeitkonten dürfen auch ins Minus rutschen, die Zeit wird später nachgearbeitet", sagte der Einenkel. "Aber die weitergehenden Maßnahmen auch in anderen Werken wurden nicht thematisiert", erklärt Einenkel verärgert.
Nach Angaben des Betriebsrats werden durch die Kürzungen in Europa 40 000 Opel weniger hergestellt als geplant.
GM Europe teilte nur mit, dass die Produktion angepasst werde. Es habe keinen Sinn, die Lager aufzustocken. Die Führung der einzelnen Werke werde darüber mit den Arbeitnehmervertretern sprechen. Einschnitte kommen auf die Opel-Mitarbeiter in Spanien zu. In Saragossa verhandelt der Autobauer über die Aussetzung einer Nachtschicht für zwölf Monate.
Bei der deutschen Tochter des angeschlagenen US-Herstellers Ford wird die Fertigung in Saarlouis, wo die Modelle Focus, C-Max und Kuga vom Band rollen, gesenkt. Deshalb werden die bis Jahresende befristeten Verträge von 204 Leiharbeitern bereits Ende Oktober gekündigt. Insgesamt beschäftigt Ford im Saarland 6500 Menschen. Wegen der schwindenden Nachfrage wollen auch Mercedes-Benz Daimler und BMW weniger Autos bauen. BMW hat angekündigt, 20 000 bis 25 000 Fahrzeuge für den US-Markt zu streichen und 20 000 weitere, statt in den USA, in anderen Märkten mit mehr Gewinn zu verkaufen. Welche Standorte wie stark davon betroffen sind, darüber machte das Unternehmen keine Angaben.
Der Autobauer Volkswagen plant bei seiner Kernmarke VW derzeit keine Produktionsstillstände. Die spanische VW-Tochter Seat und die tschechische Marke Skoda hatten angekündigt, die Produktion in ihren Werken wegen der europaweiten Absatzkrise zu kappen.
Auch andere Autobauer lassen die Produktionsbänder vorübergehend anhalten. Der schwedische Autobauer Volvo entlässt wegen sinkender Nachfrage weltweit mehr als 3000 Mitarbeiter. In Schweden sollen 2000 Bandarbeiter gehen sowie 700 Leute aus der Verwaltung. Außerhalb Schwedens sollen 600 Leute entlassen werden. Volvo gehört zum Ford-Konzern.
Die Automärkte in Europa und den USA kriseln seit Monaten. Die drei US-Autobauer GM, Ford und Chrysler sind auf ihrem Heimatmarkt zu Produktionskürzungen und Personalabbau gezwungen. Die einstige Autostadt Detroit ist zum Armenhaus der Vereinigten Staaten geworden. Nach Einschätzung von Automanagern steht der Branche eine bis zu drei Jahre dauernde Flaute bevor. Selbst in Schwellenländern, die den Rückgang zuletzt ausgleichen konnten, halten sich die Kunden zurück. cha/rtr/ap
GM-Betriebsräte leiten rechtliche Schritte ein