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Taiwan öffnet sich für Chinesen vom Festland  

Asien: Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr steuert Taiwans Präsident Ma Ying-jeou einen China freundlichen Kurs. Auch europäische Firmen könnten davon profitieren. Aber die EU hat es nicht eilig, den Handel mit der Hightech-Insel zu fördern. VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 6. 09, ps

Phillippe Pellegrin zieht Zwischenbilanz und er ist nicht unzufrieden. "Während des Wahlkampfs vor einem guten Jahr warnten wir vor einem Konfrontationskurs mit Peking, weil das die Wirtschaft Taiwans in eine regionale, möglicherweise globale Isolation getrieben hätte," so der Präsident der European Chamber of Commerce in Taipeh (ECCT). "Der neue Präsident fing den Ball auf. Mit seiner pragmatischeren Politik hat er gepunktet und zwar rascher als erwartet."

Wie Deutschland, die Schweiz, Korea oder Japan ist Taiwan ein starkes Exportland, das unter der weltweiten Rezession leidet. Im April ist der Außenhandel um fast ein Drittel eingebrochen. Experten rechnen damit, dass Taiwans Wirtschaftsleistung 2009 um 7 % schrumpft.

Um so wichtiger, dass die Entspannungspolitik von Präsident Ma Ying-jeou allmählich Früchte trägt. Immer mehr Touristen aus "Festland-China" kommen auf die Insel und auch bei der Lieferung von Microchips und anderen Hightechprodukten auf die andere Seite der Straße von Taiwan gibt es Erleichterungen.

Was sind die spürbarsten Verbesserungen für Manager europäischer Firmen? Guy Wittich, CEO der ECCT, lobt, dass es einfacher geworden sei, Geschäfte auf dem chinesischen Festland zu machen. Dennoch bleiben einige Wünsche offen. "Zu hohe Steuern ärgern unsere Mitglieder aber auch unhandliche Vorschriften und Regeln", moniert er.

Chiang Shih-Hwang, Stellvertretender Direktor des Büros für Außenhandel in Taipeh, kennt die Klagen. "Wir nutzen die wirtschaftspolitische Kurskorrektur zu einer umfassenden Reform," sagt er. "Die Unternehmenssteuer liegt derzeit bei 25 %, wir werden sie auf 20 % senken." Auch viele Regeln, Normen und Bestimmungen sollen verschwinden. Ma Ying-jeous Vorgänger im Präsidentenpalast, Chen Shui-bian, hatte chinesischen Konzernen den Weg auf die Insel weitgehend versperrt. Zudem konnten Taiwans Firmen nicht mehr als 40 % ihres Kapitals in China investieren. Das ist Vergangenheit. Nun sind es 60 %.

Die Eiszeit zwischen Taipeh und Peking behinderte auch die Geschäfte mit Europa. Jahrelang hielten sich die Europäer zurück - dabei ist Taiwan nach Japan, China und Korea die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Region und Weltmarktführer bei LCD-Monitoren, Kabel-Modems, Chips, Notebooks oder PDAs.

Kernstück der Zusammenarbeit in der Region ist das Economic Cooperation Framework Agreement (ECFA). Es soll sicherstellen, dass Taiwan nicht außen vor bleibt, wenn Peking Freihandelsabkommen unterschreibt. 2010 wird ein Arrangement mit den ASEAN-Ländern erwartet. Der Beitritt Südkoreas und Japans könnte in drei Jahren folgen.

Das ist die wirtschaftliche Seite. Präsident Ma gehe es aber vor allem um etwas anderes, lässt Chiang durchblicken. Er möchte das chinesische Engagement in Taiwan stärken, so dass eine militärische Konfrontation ihren Sinn verliert. Chinesische Unternehmen können inzwischen Anteile an taiwanesischen Firmen übernehmen. Einen ersten Fall gibt es bereits. China Mobile, der weltgrößte Mobilfunkanbieter, hat mehr als 12 % der Far Eastone in Taipeh übernommen.

Taiwans halboffizielle Straits Exchange Foundation (SEF) und Pekings Association for Relations across the Taiwan Straits (ARATS) leuchten derzeit die Vorschläge beider Seiten aus. Dabei wird unter anderem auch an eine Kooperation der Börsen Taipeh, Shanghai und Hongkong gedacht.

Auch die ECCT dringt darauf, dass die Europäische Union mit Taiwan schnellstmöglich über ein Handelsförderungsprogramm verhandelt. Viel Rückenwind aus heimischen Landen spürt Pellegrin dabei allerdings nicht. Als er und Guy Wittich vor einigen Monaten in Brüssel vorstellig wurden, empfing sie gelangweiltes Gähnen. "Wir haben andere Prioritäten," wurde den Vertretern der Europäischen Handelskammer in Taipeh beschieden.

Chiang Shih-Hwang kann diese Erfahrung nur bestätigen. Auch Taiwan warb in Brüssel für baldige Verhandlungen - und wurde vertröstet. Aus Angst, China zu verprellen? Gut möglich. Doch mit dieser Befürchtung liegen die Handelsexperten der EU-Kommission schief. Mittlerweile ist die Volksrepublik durchaus an einer wirtschaftlichen Belebung Taiwans interessiert. Chiang: "Auch in Peking ist bekannt, dass bei uns in drei Jahren Neuwahlen anstehen." J. HÖHN


Mann des Ausgleichs

Mit fast 60 % der Stimmen wurde Ma Ying-jeou im vergangenen Frühjahr zum neuen Präsidenten Taiwans gewählt. Am 20. Mai 2008 trat er sein Amt an.

Der neue Präsident vertritt eine Politik des Ausgleichs mit der Volksrepublik China. Er will die Handelsbeziehungen ausweiten.

Der 59-jährige Jurist war zuvor acht Jahre lang Bürgermeister von Taipeh. ps

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