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Gigantischer Windfang kühlt den Gletscher  

Umwelttechnik: Experten prognostizieren für das Jahr 2100 einen Temperaturanstieg um bis zu 5 °C. Wenn dabei Teile der natürlichen Gletscher abschmelzen, bedeutet dies auch den Verlust erheblicher Süßwasserreserven. Mainzer Forscher erprobten am Schweizer Rhône-Gletscher nun ein einfaches, aber höchst effektives Kühlverfahren für die Eismassen. VDI nachrichten, Mainz, 19. 6. 09, ber

"Wenn man weiß, dass etwa 70 % unseres irdischen Süßwassers in Gletschereis gebunden sind, dann muss man sich schon Sorgen machen", erklärte Hans-Joachim Fuchs, Geografie-Professor an der Universität Mainz, den VDI nachrichten. Auch Wasserkraftwerke und die Schifffahrt auf vielen Flüssen sind auf Gletscherwasser angewiesen - und nicht zuletzt der Skitourismus.

Doch die Gletscher schwinden. Der Zugspitzgletscher wird jeden Sommer mit Schnee und einer weißen Plane abgedeckt, sonst wäre er wohl jetzt schon deutlich geschrumpft. Gemeinsam mit seinen 27 Geographie-Studierenden hat Fuchs nun eine ganz neue Methode zur Gletscherkühlung entwickelt und am Rhône-Gletscher erfolgreich getestet: Sie bauten eine Art überdimensionalen Windfang auf der Gletscherzunge.

Einer früheren Studentengruppe war beim Geländeseminar 2006 aufgefallen, dass ständig kalte Winde den Gletscher hinunter strichen und weiter unten im Talbereich natürlich gestaut wurden - dort war es manchmal bis zu 5 °C kälter als 800 m weiter oben auf dem Gletscher. So entstand die Idee, diesen kalten katabatischen Luftstrom zu nutzen, um den Gletscher zu kühlen.

Es folgten erfolgreiche Labortests mit schräg gestellten Eisplatten dann bekam der nächste Studentenjahrgang im Rahmen des Projekts "Entdeckendes und Forschendes Lernen" den Auftrag, einen Windfang zur Gletscherkühlung zu entwickeln, zu bauen und zu testen. Allerdings ohne Budget - Sponsoren zu finden war Teil des Auftrags.

Einer der wichtigsten Förderer wurde der Stahlhändler Julius Thress aus Bad Kreuznach: Er spendierte nicht nur das Gerüst des Windfangs, sondern vermittelte auch den Kontakt zum Ingenieurbüro Verheyen am selben Ort. Dort war man ebenfalls besorgt über die zunehmende Gletscherschmelze und begeistert vom Projekt, weshalb die Studenten auch noch in den Genuss einer professionell durchgerechneten Statik kamen.

Im August 2008 war es dann so weit: Die Studierenden installierten den Test-Windfang, der aussieht wie ein überdimensionaler Zaun mit weißer Plane, 15 m lang und 3 m hoch, auf dem Rhône-Gletscher und starteten ein sechstägiges Messprogramm. Zwei Kursteilnehmer filmten das ganze Projekt, die Aufnahmen wurden ans ZDF verkauft. Der Erlös deckte zumindest einen Teil der Kosten, für die sich keine Sponsoren gefunden hatten, etwa der Kauf der weißen Plane. Weitere Sponsoren finanzierten das Bohrgerät sowie einen Lkw.

Der Erfolg war Lohn für alle Mühen und Kosten: "Wir hatten Temperaturunterschiede bis zu 3 °C im eisnahen Luftpolster", so Fuchs, "sofort nach dem Aufbau des Windfangs hat sich ein Kaltluftpolster gebildet." Und am Fuß des Windfangs entstand in sechs Tagen eine 30 cm bis 60 cm mächtige Eisschwelle, ein weiteres Zeichen für die thermische Wirksamkeit des Windfangs - bei nicht mal optimalem, weil wechselhaftem Wetter am stärksten war der Effekt bei konstanter Hochdrucklage.

Das Seminar ist beendet, aber Fuchs will seine Idee weiterentwickeln. Dafür hat er jetzt Forschungsgelder beantragt - Sponsoren sind allerdings nach wie vor willkommen. RENATE ELL

www.staff.uni-mainz.de/hjfuchs/Wallis-Homepage-2008


Argentinischer Gletscher wächst trotz Klimawandel

Die meisten Gletscher auf der Erde gehen zurück, nicht aber der Perito Moreno in Patagonien. Der argentinische Gletscher, der aus der Schneeschmelze in den südlichen Anden stets neue Nahrung erhält, dehnt sich alle paar Jahre so weit aus, dass er einen Eisdamm auf dem Lago Argentino bildet. In diesen See mündet der 30 km lange und 5 km breite Gletscher ein, so Andres Rivera vom Zentrum für wissenschaftliche Studien im chilenischen Valdivia. ap/ber

 

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