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Wenn es "Neutrinos" schneit  

Die Ausstellung "Frauen, die forschen" im Museum für Kommunikation Frankfurt stellt Naturwissenschaftlerinnen vor, die zu den Besten der Besten in ihren Fachgebieten zählen. 25 fotografische Porträts zeigen sie und ihr Arbeitsumfeld. Ihr Beispiel soll den weiblichen Nachwuchs ermutigen, in ihre Fußstapfen zu treten. VDI nachrichten, Wehrheim, 19. 6. 09, cha

Ganz oben wird die Luft dünn: Zwar liegt der Anteil weiblicher Studierender heute bei über 50 %, aber gerade mal 11 % der Professoren in Mathematik und Naturwissenschaften in Deutschland sind Frauen. Einige wenige haben sich in ihrer Fachdisziplin bis zur Spitze hochgearbeitet. Die Fotografin Bettina Flitner reiste kreuz und quer durch Deutschland und in die Schweiz, um diese Ausnahmefrauen vor ihre Linse zu bekommen. Daraus entstand in Zusammenarbeit mit dem FrauenMediaTurm in Köln eine Fotoserie mit 25 eindrucksvollen Porträts, die zurzeit im Museum für Kommunikation Frankfurt einen Ausstellungsraum füllt.

Das Fotoprojekt beruht auf einer Art Aha-Erlebnis der Fotografin, das schon Jahre zurückliegt. Bettina Flitner konnte nämlich keine Fotografie der Biologin Christiane Nüsslein-Volhard auftreiben, als diese 1995 für ihre Forschungen über die genetische Kontrolle der Embryonalentwicklung als erste Deutsche den Nobelpreis für Medizin erhielt. Alle Agenturen mussten passen.

Daraus entstand die Idee für das 13 Jahre später realisierte Projekt, Frauen und ihre jeweiligen naturwissenschaftlichen Forschungsgebiete sichtbar zu machen. Wie aber ließ sich die Arbeit der Wissenschaftlerinnen, die heutzutage überwiegend am Computer stattfindet, fotografisch so darstellen, dass sie interessant und aussagekräftig ist? Dabei griff die Fotografin zu ungewöhnlichen Mitteln, wobei ihr auch die Natur zu Hilfe kam.

So zeigt sie Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard nicht nur aufmerksam beobachtend im Labor, sondern auch ganz entspannt im Seerosenteich ihres Gartens schwimmend. Der Teich ist hier sozusagen die "Ursuppe" als Sinnbild für den Forschungsgegenstand der Nobelpreisträgerin. Die Physikerin Prof. Dr. Gisela Anton forscht auf dem Gebiet der Astroteilchenphysik. Auf sie rieselt Schnee vom Himmel als wären es Neutrinos, jene Elementarteilchen, welche Rückschlüsse über Herkunft und Zusammensetzung der Materie im Universum erlauben.

Die Astronomin Prof. Dr. Eva Grebel wurde in einer Sternwarte abgelichtet, die Mathematikerin Dr. Tanja Klees blickt mit ihrem Baby ins Kabelgewirr ihres Labors und die Exobiologin Dr. Gerda Horneck hält vor der Weite des Himmels eine Stahlbox in der Hand, bestückt mit Mikroorganismen für die Reise ins All.

Ob mit Glaskolben, Reagenzgläsern, vor Kreidetafeln, hinter Bücherbergen und Manuskriptstapeln, ob am Mikroskop oder umringt von Studenten: Es gelang bei den meisten Forscherinnen, "eine Art inneres Licht anzuknipsen", so dass deren Hingabe und Begeisterung für ihre Arbeit spürbar werden.

Schließlich soll ein Funke überspringen: Denn mit der Ausstellung ist die Hoffnung verbunden, dass mehr junge Frauen sich für eine naturwissenschaftliche Karriere entscheiden.

Dabei könnte der gleichnamige Bildband hilfreich sein. Ausführliche Texte beschreiben die interessanten Biografien der Wissenschaftlerinnen und erklären ihre Arbeit. Sie zeigen auch, dass das Kunststück, Karriere und Familie miteinander zu verbinden, zwar schwierig umzusetzen ist, aber dennoch gelingen kann. CARLA REGGE

Die Ausstellung "Frauen, die forschen" ist bis 30.8.09 im Museum für Kommunikation Frankfurt, Schaumainkai 53, 60596 Frankfurt, zu sehen.

www.mfk-frankfurt.de

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