RFID-Einsatz: Welche Folgen die Einführung der RFID-Funktechnik für Arbeitnehmer haben kann, hat eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Fazit in puncto Arbeitsplätze: Branchenübergreifend dürften sich Wegfall und Entstehen neuer Arbeitsplätze ausgleichen. VDI nachrichten, Bonn, 11. 9. 09, cha
Die Maschinenbaubranche und den Bereich der Medizintechnik sieht die Studie "Das ''Internet der Dinge''. Die Informatisierung der Arbeitswelt und des Alltags" als Gewinner der Entwicklung. Sie könnten ihre Marktposition durch innovative Produkte ausbauen - und neue Arbeitsplätze schaffen. Positiv werde sich auch der Schutz vor Plagiaten auswirken, da hochwertige oder wissensintensive Waren mithilfe von RFID-Chips wirksamer vor Fälschungen geschützt werden können.
Der Auftraggeber, die Hans-Böckler-Stiftung, wurde vom Deutschen Gewerkschaftsbund sowie den großen Gewerkschaften IG Metall und ver.di unterstützt. Die Auftraggeber sehen in der Funkchip-Technik RFID eine "Rationalisierungstechnologie", die in den Unternehmen meist "schleichend" am Betriebsrat vorbei eingeführt wird. Marc Bovenschulte hat die Studie gemeinsam mit Kollegen in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH im Auftrag der gewerkschaftsnahen Stiftung verfasst. 
Bereits heute ist der Einsatz von RFID in der Logistik allgegenwärtig: Sind in einem Warenlager alle Teile mit RFID-Chips versehen, kennt der Computer ihren Standort. Die Arbeiten, die er selbst nicht durchführen kann, delegiert der Computer an einen Arbeiter. Der sieht über ein Headset, was er mit welchem Teil zu tun hat. Bovenschulte meint, dass der Mensch hier zum "Befehlsempfänger" wird, "um prozessoptimierte Handgriffe zu tun, die heute noch zu kompliziert für eine Automatisierung sind". Die Tätigkeiten werden laut Studie als Folge auch einfacher, sodass weniger qualifizierte Arbeitskräfte höher qualifizierte ersetzen oder die derzeit eingesetzten herabgestuft werden. Im Gegenzug benötigen RFID-Prozesse allerdings auch hoch qualifizierte Arbeiter, die die neuen Technologien beherrschen.
Das Wesentliche von RFID besteht darin, Prozesse kontrollieren zu können. In der Logistik etwa kann der gesamte Warenfluss digitalisiert und gesteuert werden. Da die Erfassung der Waren lückenlos erfolgt, sind Personen, die bestimmte Arbeitsschritte ausführen, zeitlich und örtlich zuzuordnen. Diese Verknüpfung kann wie die Warendaten verwaltet und anschließend ausgewertet werden. Damit lassen sich die Arbeiten von Mitarbeitern zeitlich genau in einer Art digitalem Leistungsnachweis darstellen. Datenschutzverfahren wie Anonymisierung sind in den heutigen Verfahren nicht vorgesehen. "Unklar ist heute, wer überhaupt Zugriff auf die Daten hat - und wer sie löschen darf", sagt Bovenschulte.
Die Studie stellt in Aussicht, dass auf die Prozessrationalisierung schnell auch eine Personalrationalisierung folgen könnte. Insbesondere in der Logistik würden künftig viele händische Sortiervorgänge wegfallen. Die wegrationalisierten einfachen Arbeitsplätze werden sich aber innerhalb der Branche kaum durch anspruchsvollere Arbeitsplätze kompensieren lassen. Für eine Bilanz von Arbeitsplatzverlusten und -gewinnen sei es aber "noch zu früh". Branchenübergreifend dürften sich in Zukunft Wegfall und Entstehung die Waage halten. "Die Herausforderung an alle Beteiligten besteht darin, einen technologischen Wandel zu erzeugen, der qualitativ bessere Arbeitsplätze schafft und Menschen in Lohn und Brot bringt", betont Bovenschulte.
C. SCHULZKI-HADDOUTI