VDI nachrichten, Chur, 22. 8. 08, rok - Heidiland nennt der Schweizer Volksmund den Kanton Graubünden, dessen Berge seit langem Urlauber faszinieren. Weniger bekannt ist, dass sich die Region zunehmend auch als Standort für Forschung und Hochtechnologie qualifiziert. Logistische Aufgaben unterstützt nicht zuletzt die Rhätische Bahn.
Denkt ein Deutscher an die Schweiz setzt das Kopfkino meist Bilder in Gang, die das eine oder andere Alpenpanorama zeigen. Davor grasen Milchkühe, wobei die lustig im Wind wehende Schweizer Flagge nie fehlt. Appetitlicher Emmentaler gehört ebenso zu den Klischees wie Johanna Spyris Roman "Heidi".
Kein Wunder, dass Schweizer Wirtschaftsfachleute betonen, in der Alpenrepublik existiere jenseits von Kühen, Käse und Kuhglocken auch knallharte Forschung und Entwicklung. In Graubünden etwa wird auf medizinischem und pharmazeutischem Gebiet heftig geforscht. Und in Fabriken der dortigen Region entstehen Produkte aus hochwertigen Kunststoffen und Maschinen zum Laserschweißen.
Während in Graubünden mit einer Fläche von 7105 km2 (17,2 % der Schweiz) und einer Bevölkerungszahl von 187 800 Einwohnern die Ems-Chemie, Domat (südwestlich von Chur), unter anderem Hochleistungspolymere etwa für die Brillenproduktion herstellt, fertigt die Trumpf-AG in Grüsch bei Landquart Werkzeugmaschinen sowie Elektrowerkzeuge und Laser.
Allein in Davos arbeiten das Forschungsinstitut Association for Osteosynthesis (AO), das Swiss Institut for Allergy and Asthma Research (SIAF), das Physikalisch-Meteorologische Observatorium Davos/World Radiation Center (PMOD/WRC) und das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF). Landquart wartet auf mit dem Swiss Center for Electronics and Microtechnology (CSEM). In Chur bietet eine Hochschule 1300 Studierenden ein interdisziplinäres Angebot in Technik und Wirtschaft.
Zwar stellt Regierungsrat Hansjörg Trachsel, Vorsteher des Departementes für Volkswirtschaft und Soziales in Graubünden, fest, dass die Schweiz immer noch ein bedeutendes Urlaubsland sei, doch die Klientel der Urlauber veralte zusehends.
Indes: Nicht zuletzt bei den Forschungsaktivitäten in der höchst gelegenen Stadt Europas ist zum Thema Fremdenverkehr immer der Geist großer Vergangenheit zu spüren. So widmet sich das AO-Forschungsinstitut Davos - erinnert sei an Thomas Manns Roman "Der Zauberberg" - neuesten Methoden der Heilung asthmatischer Bronchitis. Ein großer Bereich des Forschungsinstituts konzentriert sich auf komplizierte Knochenbrüche. Doch es wurden hier auch Spezialdisziplinen für neue Verfahren der Wirbelsäulen-, Kiefer- und Gesichts-Chirurgie geschaffen, wobei man - so das Institut - "laufend neue Standards" setze.
Die in den 1980er Jahren in Grüsch gegründete Zweigniederlassung des deutschen Maschinenbauers Trumpf beschäftigt derzeit dort rund 550 Mitarbeiter und fertigt in der Hauptsache Werkzeugmaschinen für die flexible Blechbearbeitung, und zwar zum Stanzen und Umformen. Doch man produziere auch Lasersysteme für das Schweißen, Schneiden und die Oberflächenbearbeitung dreidimensionaler Teile, erläutert Geschäftsführer Aldo Brändi. Nicht zuletzt die Medizintechnik profitiere von den Ergebnissen moderner Schweiß- und Schneidetechnik. So entstünden spezielle Operationstische und -leuchten, wobei - so Brändi - zur Beleuchtung von Operationssälen erstmals LED-Licht zum Einsatz käme.
Eine funktionierende Infrastruktur bleibt indes wichtigste Voraussetzung für einen Industriestandort. Rund 700 000 t Güter würden jährlich - so Peider Härtli, Sprecher der Rhätischen Bahn AG - auf dem Bündner Bahnnetz bewegt. ELMAR WALLERANG
www.rhb.ch