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Wie Clickworker für Unternehmen Projekte erledigen  

Trend: Mit Clickworking entsteht derzeit eine neue Arbeitsform. Clickworker, das sind Selbstständige, die daheim am Bildschirm kleine Aufgaben abarbeiten. Honda beispielsweise lagerte das Markieren der Bilder für eine Bilderkennungssoftware vollständig an "Mausarbeiter" aus. Nicht alle Arbeiten in diesem Bereich sind allerdings auf das reine Klicken beschränkt. VDI nachrichten, Bonn, 8. 1. 10, cha

Das Auto der Zukunft denkt mit: Es erfasst mit Kameras die Umgebung, folgt automatisch der Fahrbahn und weicht im Notfall Hindernissen aus. An dieser Vision arbeiten derzeit alle Autohersteller - auch Honda. "Im Prinzip muss der Computer Autofahren lernen", erklärt Jannik Fritsch vom Honda Forschungszentrum, Offenbach. Doch bevor die Wissenschaftler dem Auto Fahren beibringen können, müssen sie ein kleines Problem lösen: Um die Bilderkennungssoftware des Fahrzeugs zu testen und zu trainieren, sind Tausende von Bildern nötig, auf denen zuvor elektronisch die Fahrbahn, Verkehrsschilder und Fußgänger per Hand markiert sind. Doch wer erledigt diese Mammutaufgabe? "Bisher war es üblich, so etwas selbst zu machen", sagt Wissenschaftler Fritsch. Honda jedoch ging einen völlig neuen Weg: Der Hersteller lagerte das Markieren der Bilder an so genannte Clickworker aus - Selbstständige, die daheim am Bildschirm kleine Aufgaben abarbeiten.

Honda startete das Experiment im September: Zunächst wurden rund 10 000 Fotos an die Internetplattform Humangrid übermittelt, bei der ca. 8500 Clickworker registriert sind. Diese Telearbeiter machten sich sofort ans Werk: Sie luden sich per Klick beliebig viele Fotos herunter, markierten mit einem elektronischen Werkzeug z. B. Verkehrsschilder und schickten die Bilder zurück an Humangrid. Pro bearbeitetem Foto erhielten sie acht Cent. Bislang lief das Projekt gut: Honda schätzt, dass bis Weihnachten alle Fotos annotiert sind - und denkt schon über den nächsten Auftrag nach. "Es ist möglich, dass wir noch zehnmal mehr Fotos benötigen", so Fritsch.

Mit Clickworking entsteht derzeit eine völlig neue Arbeitsform - wobei sich viele der Mikrojobs keineswegs auf das buchstäbliche Klicken beschränken. Zu den Aufgaben, die bei Humangrid im Angebot sind, gehört auch das Erfassung von Adressen aus Homepages. Dafür, dass die Jobs auch ordentlich gemacht werden, sorgt die Dortmunder Agentur: Wer z. B. einen Text übersetzen will, muss in einem Kurztest nachweisen, dass er die Fremdsprache auch beherrscht. Außerdem werden die erledigten Mikrojobs stichprobenartig geprüft.

Zum ständig wachsenden Heer der Mausarbeiter gehört auch Petra Liermann. Die 38-Jährige ist vor einigen Jahren ausgewandert und lebt zurzeit im ägyptischen Badeort Hurghada. Um den Kindergarten für ihre kleine Tochter zu finanzieren, jobbt sie nebenher als Clickworker. "Im letzten Monat habe ich 1140 € verdient - das ist in Ägypten viel Geld", freut sich Liermann. Am liebsten korrigiert die ehemalige Chefsekretärin Texte, weil hier die Honorare am höchsten sind doch auch beim Honda-Projekt hat sie mitgemacht. "Die Masse machts eben." An der neuen Arbeitsform schätzt die junge Mutter vor allem die Freiheit. "So kann ich arbeiten, wann immer ich Zeit habe." Ohne Clickworking hätte sie diese Option nicht. "Dann müsste ich ein Kindermädchen einstellen und wieder in Vollzeit außer Haus arbeiten", so Liermann.

Der Startschuss für Clickworking fiel im Jahr 2000. Damals hatte die US-Raumfahrtagentur Nasa die Internetgemeinde um Hilfe bei einem Mammutaufgabe gebeten: Die Surfer sollten dabei helfen, auf Fotos von der Marsoberfläche, die eine Sonde übermittelt hatte, Krater zu erfassen. Dafür bekam jeder Teilnehmer an dem Projekt Fotos zugemailt, auf denen per Klick Krater eingekreist werden sollten. Schon nach einem halben Jahr hatten die unbezahlten Freiwilligen 2 Mio. Klassifizierungseinträge an die Nasa gesendet.

Mittlerweile ist aus Clickworking ein handfestes Geschäft geworden. In Deutschland vergeben Agenturen wie Humangrid oder Textbroker die Minijobs, weltweiter Marktführer ist die Plattform Mechanical des Onlinegiganten Amazon.

Gewerkschaftler stehen der neuen Arbeitsform grundsätzlich offen gegenüber. Clickworking könne durchaus ein interessanter Nebenjob sein, meint Jan Jurczyk, Sprecher der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), "allerdings ist die Tätigkeit nicht dazu geeignet, eine Existenz aufzubauen". Das sehen die Vermittlungsagenturen anders. Es gebe Clickworker, die 45 € pro Stunde verdienten, berichtet Wolfgang Kitza. Vor allem für Studierende sei Clickworking der geniale Nebenjob, da sie steuerfrei bis zu 10 000 € im Jahr dazuverdienen dürften.

Werden wir nun in Zukunft alle Clickworker sein? Frank Piller von der RWTH Aachen hält Clickworking nicht für uneingeschränkt massentauglich. "Das wird immer etwas Komplementäres sein", meint der Wirtschaftsprofessor. Er führt das auf eine Art von Henne-Ei-Problem zurück: Für kleines Geld würden keine hoch Qualifizierten arbeiten doch genau die wären nötig, um über Clickworking auch komplexere Aufgaben lösen zu lassen, erklärt Piller: "Für Menschen mit Spezialwissen sind solche Plattformen nun einmal nicht lukrativ."

CONSTANTIN GILLIES

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